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Hintersteiner Tal


Hinweis: Die Markierungen in GoogleMaps haben keinen Anspruch auf Genauigkeit und dienen nur zur Übersicht.

Lage

Das Projektgebiet Hinterstein umfasst die Hänge auf beiden Talseiten oberhalb der Ortschaft Hinterstein, gelegen in einem engen Kerbtal des Wildflusses Ostrach südöstlich von Bad Hindelang. Die Höhenlage erstreckt sich von 866 m ü. NN in Hinterstein bis auf knapp 2.000 m ü. NN am Bschießer im Nordosten und auf über 1.500 m ü. NN den Hängen von Lachekopf und Eckscheid im Südwesten hinauf.

Klima

Die mittlere Jahrestemperatur liegt bei 4-6°C. In der vergleichsweise kurzen Vegetationsperiode von Mai bis Juli werden mittlere Temperaturen von 10-13°C erreicht. Die Niederschlagsmengen bewegen sich von ca. 1.700 mm im Tal bis über 2.200 mm in den Hochlagen.

Geologie

Geologisches Ausgangsmaterial ist größtenteils Hauptdolomit. An den Hangfüßen ist der Hauptdolomit von Schuttmassen überdeckt. Es herrschen flachgründige und trockene Rendzinen (Humuskarbonatböden) mit der Gefahr von Humusschwund vor. Der oberste Bereich des Gebiets liegt auf Allgäu-Schiefer, aus dem sich frische bis sehr frische Braunerden entwickelt haben (meist ehemalige Weideflächen).
Waldzustand und Situation im Gebiet:

Die Ortschaft ist auf die Schutzwirkung des auf den bis zu 40° steilen Hängen stockenden Bergwaldes zwingend angewiesen. Dieser Schutzwald ist jedoch infolge Sturmwurfs, Borkenkäferbefalls und ausbleibender Naturverjüngung stark verlichtet. Er kann seine Aufgaben hinsichtlich Lawinen-, Boden- und Hochwasserschutz nicht mehr ausreichend erfüllen. Gleichzeitig bleibt die natürliche Verjüngung des Waldes aufgrund hohen Verbisses durch Schalenwild und starker Vergrasung der lichten Flächen aus. Es besteht also dringender Handlungsbedarf!

Maßnahmen

Ziel aller Maßnahmen ist ein stabiler, strukturierter Bergmischwald, der alle seine Schutzfunktionen wieder erfüllen kann. Bei der Zielerreichung werden aber alle konkurrierenden Interessen berücksichtigt und eine von allen Beteiligten getragene Lösung gesucht.

Forst:
Wegen der unzureichenden Naturverjüngung muss ein Großteil der nächsten Waldgeneration gepflanzt werden. Hölzerne 3-Bein-Böcke sollen Schneebewegungen verhindern und die heranwachsende Verjüngung sichern.

Jagd:
Durch ein umfassendes Jagdkonzept unter Beteiligung der benachbarten Reviere soll die Verbissbelastung auf ein tragbares Maß reduziert werden. Dazu werden gemeinsam die angestrebten Populationsdichten von Reh-, Rot- und Gemswild abgesprochen und Bejagungsschwerpunkte sowie Wildruhezonen festgelegt.

Alpwirtschaft:
Aktivitäten der Alpwirtschaft, die den Wald oder Einzelbäume betreffen (z.B. Schwendmaßnahmen), werden mit den anderen Interessensgruppen abgesprochen.
 
Tourismus:
Störungen für das Wild und daraus resultierende Beeinträchtigungen für die Jagd sollen durch gezielte Besucherlenkung weitgehend vermieden werden. Zum Beispiel werden Wanderer und Skitourengeher durch Beschilderung und Aufklärung auf "wildfreundliche" Routen gelenkt.

Umsetzung

Das besondere am Projektgebiet Hinterstein ist, dass hier schon Jahre vor dem Start der Bergwaldoffensive ein gemeinschaftlicher Prozess zur Sanierung der Schutzwälder angestoßen wurde.

Seit den ausgehenden 1980er-Jahren haben Wasserwirtschaftsamt und Forstverwaltung versucht, die Gefährdung der Ortschaft Hinterstein durch technische und forstliche Maßnahmen zu mindern. Allerdings war ohne die Einbindung aller lokal betroffenen Gruppen keine ausreichende Besserung möglich.

Deshalb wurde im Jahr 2002 ein sogenanntes Mediationsverfahren begonnen. Dabei hat eine externe, neutrale Moderatorin der Technischen Universität München alle beteiligten Interessensgruppen an einen Tisch geholt. Es gelang ihr, zwischen den unterschiedlichen Ansprüchen zu vermitteln.

Mitglieder der Mediationsgruppe sind Vertreter von:
- Alpgenossenschaft Zipfelsalp
- Bevölkerung der Ortschaft Hinterstein
- Bayerische Forstverwaltung
– Fachstelle Schutzwaldmanagement am AELF Kempten
- Bayerische Staatsforsten A. ö. R.– Forstbetrieb Sonthofen
- Deutscher Alpenverein – Sektion Allgäu-Immenstadt e.V.
- Gemeinde Bad Hindelang
- Hegering Hindelang
- Hochwildhegegemeinschaft Sonthofen
- Jagdgenossenschaft Hindelang
- Jägerschaft
– Jagdpächter
- Untere Jagdbehörde am Landratsamt Oberallgäu
- Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt Oberallgäu
- Wasserwirtschaftsamt Kempten

Die Gruppe kam in den Jahren 2002 bis 2004 zu insgesamt 12 Treffen zusammen. Direktes Ergebnis ist neben gesteigertem gegenseitigen Verständnis und dem Aufbau von Beziehungen zueinander ein Vertrag, in dem die gemeinsamen Ziele konkret definiert wurden. So einigte man sich zum Beispiel auf eine Obergrenze des Verbisses der Mischbaumarten von 15%.

Die Gruppe kommt seitdem jährlich zusammen, um die Forstschritte im Hinblick auf die im Vertrag festgelegten Ziele und das weitere Vorgehen zu koordinieren. Seit 2008 ist die Mediationsgruppe nun unter dem Dach der Bergwaldoffensive organisiert.

Jagdkonzept Hintersteiner Tal

Jagdkonzept für 7 Projektgebiete der Bergwaldoffensive im Oberallgäu, Ausfertigung für das Projektgebiet Hintersteiner Tal. Stand Dezember 2011.
Download Jagdkonzept Hintersteiner Tal (pdf, 1,2 MB)

Partnergemeinde

Mit freundlicher Unterstützung der Gemeinde Bad Hindelang, www.badhindelang.de

Ansprechpartner & Projektleiter

Klaus Dinser, Abteilungsleiter Fachstelle Schutzwaldmanagement am AELF Kempten und Projektleiter im Projektgebiet Hintersteiner Tal
Mail: Klaus.Dinser@aelf-ke.bayern.de