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Balderschwang


Hinweis: Die Markierungen in GoogleMaps haben keinen Anspruch auf Genauigkeit und dienen nur zur Übersicht

Lage

Das Projektgebiet ist grob eingerahmt von der Talstraße im Süden, der Landesgrenze zu Österreich im Westen, dem Rauhbach im Osten und dem Gratweg im Norden.

Der Hang steigt relativ schnell an und besitzt mehr oder weniger kontinuierlich eine Hangneigung von 30 bis 35°. Die Westhälfte des Gebietes geht im oberen Drittel zunächst in eine kurze Verebnung über, bevor zwei bis drei terrassenförmige Steilwände mit offenen Felsbildungen sich bis an den Grat ziehen. Der untere Hangbereich ist von zahlreichen Bachläufen und Tobeln durchschnitten. Entsprechend finden wir im Hangfußbereich tiefgründige, zu Vernässung neigende Böden, aus denen oft auch Quellen oder Quellhorizonte austreten. Der obere Steilwandbereich ist geprägt durch extreme waldfeindliche Bedingungen (Flachgründigkeit, Trockenheit, starke Schneebewegung, Frosttrocknis). In den mittleren Hangbereichen finden sich überwiegend noch akzeptable (montane) Wuchsbedingungen.

Neben häufig auffallende älteren und jüngeren, kleineren und größeren Rutschungen erschweren hier allerdings starke Verunkrautung, hohe Wildbestände, teilweise Waldweide und eine mehr oder minder starke Rohhumus-Auflage die gezielte Verjüngung der Bestände.

Unbedachtes und zu starkes Eingreifen in die Bestände kann sogar zu einem vollständigen Verhindern der Verjüngung führen.

Klima

Gemittelte Klimadaten des Wuchsbezirks 15.3. Quelle: Institut für Bodenkunde und Standortlehre der forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt München.

Mittlere Niederschlagsmenge:
- pro Jahr: 2.300 mm (entspricht dem Maximum in Deutschland!)
- Mai – September: 1.200 mm

Mittlere Lufttemperatur:
- pro Jahr: 4,0 °C
- Mai – Juli: 9,6 °C
- Mai – September: 9,9 °C
- Vegetationszeit (Tage > 10 °C): 108 Tage

Geologie

Molasseberge mit hartbankigen Konglomeraten (Nagelfluh) unterschiedlicher Mächtigkeit in Wechselfolge zu Mergeln.

Waldzustand und Situation im Gebiet

Erschließung:
Das Projektgebiet ist charakterisiert durch eine äußerst unzureichende innere Erschließung. Wenn man von "Not- und Behilfslösungen" absieht, ist das Projektgebiet im eigentlichen Sinne in großen Teilen nicht erschlossen!
Zur Sicherstellung einer nachhaltigen und dauerhaften Bewirtschaftung von Wald ganz allgemein trägt eine hinreichende Erschließung entscheidend dazu bei. Dies ist umso wichtiger in Gebieten, die ohnehin schwer zu bewirtschaften sind. Aus diesem Grund ist der in Bau befindliche neue Forstweg sehr zu begrüßen. Zudem empfiehlt sich auch die vorhanden Erschließung auf evtl. Ausbau zu überprüfen.

Zu schnelles und zu starkes Auflichten bisher geschlossener Bestände kann oft zu starkem Unkrautwuchs (Farn, Hochstauden, Brombeere) führen und eine weitere Verjüngung – egal ob künstlich oder natürlich – extrem erschweren. Wird der erste Eingriff eher diffus in Form einer ersten (Gruppen-)Schirmstellung geführt, führt dies dazu, dass der Rohhumus abgebaut werden kann und sich (Halb-) Schattbaumarten wie Tanne und Buche vor dem Unkraut ansamen. Erst im Anschluss daran empfiehlt sich die Anlage offener längsausgerichteter Femellöcher, in denen dann auch lichtbedürftigere Baumarten, wie die Fichte und der Bergahorn hinzu kommen können. Ausnahme bilden stark überbestockte und dadurch instabile Althölzer, deren Stabilität es durch Schirmstellung nicht zu gefährden gilt. Hier kann alternativ über das Schlagen von Schlitzen (ca. 15 x 30 m) im Bestand in SW-Richtung Möglichkeiten für eine Naturverjüngung geschaffen werden.
Ganz allgemein empfiehlt sich eine individuelle Beurteilung der Situation vor Ort, die Vermeidung schematischer Vorgehensweisen und die Nutzung und Verstärkung vorhandener Strukturen (wie Gruppen/Rotten).

Jagdliche Situation:
Auf fast der gesamten Fläche wurde eine erhebliche Verbissbelastung durch Schalenwild festgestellt. Zudem fanden sich eine Vielzahl an Wechseln und frischen Trittsiegeln. Ankommende Sämlinge verbissgefährdeter Baumarten finden sich häufig nicht mehr im Aufwuchs. In Bereichen, die auch das Wild meidet (wie z.B. schmale Hangrücken zwischen zwei Tobeln) findet man gemischte Verjüngungen mit Buche, Bergahorn und Tanne, in vielen anderen Bereichen erschwert die jagdliche Situation – zusätzlich zu weiteren Schwierigkeiten – die natürliche Verjüngung der standortsgerechten Baumarten erheblich.

Die weitere Erschließung der Flächen könnte auch die Möglichkeiten der effizienten Bejagung verbessern.

Waldbeweidung:
Auffallende war die Tatasache, dass die Häufigkeit und die Intensität der Waldbeweidung in dem Projektgebiet von Ost nach West zu nahm. Während im Osten kaum noch beweidet wurde, waren im Westen auch die Grenzen in Form von Weidezäunen "markiert".

Abschließende Bemerkung:
Zu Bedenken ist, dass alle waldbaulichen Planungen und Feinheiten einer reinen Symptombehandlung gleichen, wenn vorhandenen Problemen nicht auch auf den Grund gegangen wird. Der beste auf natürliche Verjüngung bedachte waldbauliche Eingriff misslingt, wenn überhöhte Wildbestände die Entmischung bewirken oder gar ein Aufkommen verhindern! Die optimale Einleitung der Verjüngung vergeht, wenn keine Erschließung für eine wiederholte, langfristige Bewirtschaftung vorhanden ist!

Maßnahmen

Im Projektgebiet Balderschwang findet sich das gesamte Spektrum der Maßnahmen, die innerhalb der Bergwaldoffensive möglich und notwendig sind. So ist über eine Verbesserung der Erschließungssituation erst ein Eingreifen in Pflege- und Durchforstungsbestände möglich. Die kleine Parzellierung der Waldflächen erschwert Sammelmaßnahmen über mehrere Waldbesitzer.

Oft herrscht unklarheit über die Situation in den eigenen Waldflächen. Eine kleine Forsteinrichtung für dieser Privatwälder verschafft hier Transparenz. Das Einleiten von Verjüngung und Mischung muss zudem durch eine konsequente Trennung von Wald und Weide begleitet werden. Eine Anpassung der Schalenwildbestände an ein Niveau, welches ein Aufkommen aller standortstypischen Baumarten erlaubt, unterstützt diese Bemühungen.

Umsetzung

Der Projektausschuss für das Gebiet hat sehr intensiv gearbeitet. Alle drei geplanten Sitzungen zur Abstimmung der forstlichen Maßnahmen haben stattgefunden.
Im Jahr 2009 wurde den privaten und kommunalen Waldbesitzern eine kleine Forsteinrichtung bereitgestellt. Damit sind die mittelfristig notwendigen Maßnahmen für jede Parzelle und jeden Waldbesitzer deutlich geworden.

Jagdkonzept Balderschwang

Jagdkonzept fuür 7 Projektgebiete der Bergwaldoffensive im Oberallgäu, Ausfertigung für das Projektgebiet Balderschwang. Stand Dezember 2011.
Download Jagdkonzept Balderschwang (pdf, 1,1 MB)

Partnergemeinde

Mit freundlicher Unterstützung der Gemeinde Balderschwang, www.hoernergruppe.de
Kontakt: Raphael Domdey
Mail: raphael.domdey@hoernergruppe.de

Ansprechpartner & Projektleiter

Andreas Fisel, Revierleiter Forstrevier Hörnergruppe
Mail: andreas.fisel@aelf-ke.bayern.de